Geliebter Feind

Schon Marcus Tullius Cicero wusste, den Kampf um Macht und Einfluss entscheiden nicht die Freunde, es kommt auf die bedachte Wahl seiner Feinde an“.

Ein Satz, der, über 2000 Jahre später, den aus Kössen stammenden Schulabbrecher Mathias Finkel zum Milliardär machen sollte. Vor 8 Jahren gründete er, vorerst nur als Website und mit ihm als einzigen Mitarbeiter das sein Unternehmen „Rent an Enemy“. Heute ist „Rent an Enemy“ eines der weltweit führenden Public-Conflict Agenturen. In den Standorten London, Paris, New York, Moskau, Shanghai und Pjöngjang organisieren über 3000 Mitarbeiter vom einfachen Shitstorm bis zum diplomatischen Zwischenfall öffentlich ausgetragene Konflikte. Das ganze ist allerdings nicht gerade billig. Für einen abfälligen Tweet von Donald Trump kann durchaus einmal ein sechsstelliger Betrag auf der Rechnung stehen. „Rent an Enemy“ steht aber bei der Gegenreaktion beratend zur Seite. Nicht selten wird so aus dem Tweet ein wochenlanger Aufreger, der dem Auftraggeber unbezahlbare Aufmerksamkeit bringt. Auf Finkels Gehaltsliste steht quasi das gesamte Who is Who der Welt. Ensprechendes Kleingeld vorausgesetzt sind unter anderem Attacken von Putin, Kim Jong-Un und, in letzter Zeit besonders beliebt, Recep Tayyip Erdoğan buchbar. Billiger wird es wenn man sich seine Feinde im nationalen Umfeld sucht. Für unter 10000 Euro kann etwa das österreichische Rechtspopulistenpaket genommen werden. Ein geringer Betrag, wenn man bedenkt dass man damit Gelegenheit bekommt Angriffe von H. C. Strache, Norbert Hofer, Harald Vilimsky und als Bonus Frauke Petry oder Alexander Gauland zu parieren.

Besonders stolz ist Finkel auf seine Entdeckung Wolfgang Sobotka: „Der Wolfgang, ein alter Freund meiner Eltern, hat bei uns immer den Nikolaus als Krampus begleitet. Im Herzen ist er ein ruhiger auf Harmonie bedachter Mensch, aber als Provokateur ein Naturtalent. Als ich ihm die ungeheuren Karrieremöglichkeit als Mietfeind vorstellte, war er sofort Feuer und Flamme. Heute ist er in Österreich unser unangefochtener Superstar.“



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