Stadtrat Fritz muss trinken lernen

Ohne Erfolg blieb  der Versuch von Stadtrat Fritz wegen Trinkens in der Innsbrucker Maria Theresienstraße bestraft zu werden. Sofort wurden Rufe laut, dass dies ja typisch sei und für Politiker andere Regeln gelten. Der Soziologe und Theaterwissenschaftler Mag. Dr. Jens Dreher erklärt im Gespräch mit Tirol anders, warum dieser Plan des Grünpolitikers von vornherein zum Scheitern verurteilt war.

TA; Herr Dr. Dreher, ist es so, gelten für Politiker andere Regeln?

Jens Dreher: So generell kann ich diese Frage natürlich nicht beantworten, aber was das Trinken in der Öffentlichkeit betrifft: Ja und nein.

TA; Wie sollen wir das verstehen?

Jens Dreher: Nein, weil das Verbot, alkoholische Getränke in der Maria Theresienstraße zu konsumieren für Politiker genauso gilt, wie für jeden anderen. Und ja, weil Politiker nicht als Alkoholkonsumenten wahrgenommen werden.

bacchus

So sieht kein Politiker beim Trinken aus. Bildquelle: Wikipedia

TA: Wie das? Dass Politiker, verzeihen sie den Ausdruck, saufen wie die Löcher, hört man doch an jedem Stammtisch?

Jens Dreher: Darum geht es gar nicht, es ist ein Phänomen des optischen Eindrucks. Schon am Beginn einer politischen Karriere lernt ein Politiker sozial unauffälliges Trinken. Wer das nicht beherrscht, wird auch nichts. Unabhängig von der Menge des konsumierten Alkohols erscheint uns der Politiker „normal“. Das bedeutet nicht, wie man an Hand vieler Beschlüsse nachweisen kann, das Alkohol auf Politiker keine Wirkung entfaltet. Jedoch das Gesicht, das äussere Erscheinungsbild ist davon weitestgehend unberührt. Der Politiker verwandelt ganz automatisch sein Äusseres in eine Art Ganzkörpermaske, die, ähnlich wie bei seinen gesprochenen Phrasen und Worthülsen,  keinerlei Rückschlussmöglichkeit auf den eigentlichen Inhalt zulässt. Das geht so sehr in Fleisch und Blut über, dass die meisten Politiker, selbst wenn sie als trinkend wahrgenommen werden wollen, dies nicht mehr vermitteln können. Eine Ausnahme ist hierbei vielleicht H.C. Strache, wobei wissenschaftlich noch nicht restlos geklärt ist, ob er in der Lage ist diesen Automatismus zu überwinden, oder ob er ihn noch nicht hinreichend verinnerlicht hat.  Möglicherweise ist sogar  das Auftreten als volksnaher Trinker in Wirklichkeit seine Maske.

TA; Auf Stadtrat Fritz trifft das aber nicht zu.

Jens Dreher: Ganz offensichtlich nicht. Er müsste sich schon bis zum Umfallen betrinken um in den Fokus der Alkoholüberwachungsorgane zu rücken. Nein, um tatsächlich bestraft zu werden müsste er wieder richtig trinken, salopp gesprochen saufen, lernen.

TA: Das könnte er?

Jens Dreher: Sehr schwer, dazu müsste er Kontrollverlust akzeptieren. Das ist für einen Politiker, insbesondere für einen Grünpolitiker, eine sehr hohe Hürde.

TA: Herr Dr. Dreher, wir danken für das Gespräch.



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